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U2, Jeff Beck, Lee Ritenour, Franz Ferdinand – Laszlo Spiro ?

Den Redaktoren der japanischen Musikfachzeitschrift Player ist auf ihrem Cover durchaus kein Fehler unterlaufen. Der St. Galler Gitarrist und Jazzschulabsolvent Laszlo Spiro hat mit seinem neusten Tonträger Synergetics in Japan Fuss gefasst.

Daß ihm besagte Zeitschrift gleich ein mehrseitiges Porträt widmete, ist auch für den St. Galler mit ungarischen Wurzeln eine Überraschung: Irgendetwas an Synergetics scheint ausgerechnet die Japaner zu begeistern. Enja Records, die die Verlagsrechte von Synergetics besitzen, haben das Album weltweit angeboten, und in Japan wurde es mit offenen Armen empfangen, erzählt Spiro.

Elektro-Jazz oder New Fusion
Der Erfolg von Synergetics könnte dabei durchaus mit seinem weltoffenen, Genre-ausblendenden Musikbegriff zusammenhängen. Zwar bietet Spiro selbst Wörter wie Elektro-Jazz oder New Fusion für seine Kompositionen an, die beiden Begriffe treffen den Kern des komplexen Werkes allerdings nur bedingt. Computergeräusche, Klangcollagen und Loops mengen sich mit durchaus jazzgeladenen Akkorden wirken technoid und dennoch musikalisch. Über den ohnehin schon komplexen Unterbau fabuliert Laszlo Spiro seine Improvisationen.«Synergetics» könnte in etwa so klingen, wie wenn sich ein Jeff Beck der letzten beiden experimentellen Jahre nun neu mit dem Fusion-Jazz verbinden würde. «Es gibt drei Möglichkeiten, Musik zu komponieren. Entweder man verfolgt einen melodischen, rhythmischen oder harmonischen Ansatz. Bei mir sind es sicher die Harmonien, also die Akkorde, ihre Umkehrungen und auch ihr Ausbau, der mich interessiert», sagt Spiro.

Sicherheit beim Improvisieren
Er blendet dabei beinahe aus, dass hier eines der Schwergewichte unter den Ostschweizer Instrumentalisten seine stete Weiterentwicklung eindrücklich manifestiert. Sein Legato-Spiel wirkt ausufernd und dennoch warm; es unterwirft sich den Harmonien und Skalen, um doch gleichzeitig frei zu improvisieren.

Wenn ich improvisiere, dann lote ich zuerst die Möglichkeiten der Akkorde aus, über die ich mein Solo ausbreite. Alles andere scheint mir unsinnig. Ich will mich sicher fühlen in jenem Raum, in dem ich mich improvisierend bewege.

Mit alten Wegbegleitern
Obwohl Laszlo Spiro nicht zu den omnipräsenten Bühnengitarristen der Ostschweiz zählt, gilt der Musiklehrer und Komponist in der durchaus kompetitiven Szene der Gitarristen als Ausnahmeerscheinung. 1992 und 2000 erhielt er einen kantonalen Kulturpreis. Noch früher, 1985, parallel zu seinem Jazzschulabschluss in St. Gallen, tourte er als Mitglied des Pepe Lienhard Orchesters durch Europa. «Wir spielten 250 Konzerte pro Jahr, begleiteten Udo Jürgens auf dessen Tournee und haben auch mit Tina Turner zusammengearbeitet», erinnert sich Spiro. Seine eigene Karriere verlief stockender, auch weil er die musikalische Qualität stets über den kommerziellen Erfolg stellte. Wegbegleiter bei seinen diversen Projekten war unter anderen der Schlagzeuger Reto Giacopuzzi. Der steuerte auch zu «Synergetics» einzelne Schlagzeugbeats bei. Weiter sind auf der aktuellen CD überdies John Voirol (Saxofon), Dietmar Kirchner (Bass) und Hubert Hungerbühler (Keyboards) zu hören.

Noch unveröffentlicht
Erstaunlich also, dass die Synergetics-CD trotz hochkarätigem Musikensemble und weltweit durchwegs positiver Rezensionen in der Schweiz bisher unveröffentlicht blieb. «Das liegt an meinem internationalen Vertrieb. Ich hoffe sehr, dass das Album bald auch in Europa und der Schweiz vertrieben wird», gibt sich Laszlo Spiro zuversichtlich. In St. Gallen ist Synergetics immerhin im Plattenladen Bro- Records als Demo-Exemplar zu hören. Der unerwartete Erfolg in Japan hat Spiro zusätzlich motiviert: «Ich möchte das Album unbedingt live umsetzen. Aber dazu wären mindestens acht Leute nötig. Bis im Herbst 2006 möchte ich mir diesen Wunsch erfüllen, hält er fest.Ich bin dankbar. Wenn man als Komponist auch nur einen Bruchteil dessen, was man schreibt, veröffentlichen kann, auch wenn es in Japan ist, muss man zufrieden sein. Sehr sogar.

St.Galler Tagblatt

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